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Inspirationen & Ideen · Ratgeber

Italienische Cocktailstunde

Wenn der Tag in Italien langsam in den Abend gleitet und die Straßen in ein warmes Licht taucht, wird es Zeit für einen Aperitivo. Nirgends wird diese Tradition so zelebriert, wie im Belpaese, wo die Appetit-anregenden Drinks vor dem Abendessen fest zur Dolce Vita gehören und mit kleinen Imbiss-Häppchen serviert werden.
Von braut.de04.10.20263 Min. Lesezeit
Negroni mit Eis und Orangenscheibe vor weißem Hintergrund
Foto: popout/Shutterstock.com

Zwar sollen bereits die alten Römer dem Aperitif gefrönt haben, richtig etabliert hat sich die Aperitivo-Kultur aber erst Anfang des 19. Jahrhunderts. Besonders verbreitet war sie in Städten wie Turin, Mailand, Florenz, Venedig, Rom und Neapel. Als Geburtsstadt des Aperitifs gilt jedoch Turin, denn dort wurde 1786 von Antonio Benedetto Carpano der Wermut erfunden, heutiger Bestandteil unzähliger Cocktails, auch des Negroni.

Negroni in Florenz

Der Negroni wurde 1919 in Florenz kreiert und geht auf Graf Camillo zurück. Diesem hatte der damals populäre Americano-Cocktail nicht die richtige Geschmacksintensität. So bat er seinen Barkeeper, das Soda im Drink gegen einen Schuss Gin einzutauschen. Damit war der Negroni geboren, der beliebte Klassiker, der Gin, Campari, Vermouth und Angostura miteinander kombiniert.

Campari in Mailand

Ein weiterer traditioneller italienischer Aperitif ist der Campari, den Gaspare Campari 1860 erschuf. Der Bitterlikör besteht aus 60 Inhaltsstoffen, die geheim gehalten werden, bekannt sind aber Rhabarber, Granatapfel, Ginseng, Zitrusöl oder Orangenschalen. Heimat des Campari ist Mailand, wo er in unzähligen Bars kredenzt wird. Eine davon ist die Bar Camparino von Gaspare Campari in der Galleria Vittorio Emanuele II. Die Location im Herzen der Stadt gehört schon seit 1867 zu den Top-Adressen Mailands und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Nördlich von Mailand, in Sesto San Giovanni, lässt schließlich die Galeria Campari mit zahlreichen Exponaten die Herzen der Fans des rubinroten Getränkes höherschlagen.

Spritz in ganz Italien

Während in Mailand der Campari besonders gern als Spritz mit Prosecco und Wasser getrunken wird, ist die gängigere Variante des Spritz mit Aperol gemischt. Der Aperitif-Bitter wurde erstmals 1880 in der Likörfabrik von Giuseppe Barbieri in Padua hergestellt. Das Rezept für Spritz entstand jedoch erst in den 1950er Jahren. Mit Prosecco, Aperol, Mineralwasser und einem Hauch von Orange zählt dieser fruchtige Cocktail seit Jahrzehnten zu den Top-Sommercocktails – und das nicht nur in Italien.

Bellini in Venedig

Ein weiterer Drink darf in der Favoritengruppe nicht fehlen: Der Bellini. Der fruchtige Sekt-Cocktail wurde 1948 in Venedig von Giuseppe Cipriani kreiert. Viele Jahre lang hatte dieser versucht herauszufinden, wie er seine Lieblingsfrucht, den Pfirsich, in ein Getränk einarbeiten kann. Schließlich drückte er Pfirsiche von Hand aus und kombinierte den Saft mit Sekt, so wurde der erfrischende Bellini geboren. Cipriani nannte seinen Cocktail nach dem Renaissancemaler Giovanni Bellini, weil die Farbe des Getränks ihn an Bellinis berühmte Gemälde erinnerte.

Cipriani war auch Besitzer von Harry’s Bar, die westlich vom Markusplatz in Venedig zu finden ist, und seinen Gästen bis heute den Original-Bellini seines Erfinders auftischt. Die Bar verströmt eine Aura vergangener Tage, als VIPs wie Orson Welles, Truman Capote oder Peggy Guggenheim zu ihren Stammgästen zählte.

Der Garibaldi vereint Nord- und Süditalien

Zwar wird die Aperitivo-Kultur besonders in Norditalien zelebriert, doch auch im Süden des Landes finden sich einige Top-Locations, um dieser Tradition zu frönen. Einen Drink mit Meeresbrise gibt es beispielsweise in Neapel in der Bar Partenope, die direkt an der Strandpromenade Lungomare gelegen ist. Mit einer wunderbaren Aussicht auf die Küste kann auch das Caffè Wunderbar, die älteste Bar im sizilianischen Taormina, aufwarten. Schöner als mit Blick auf das Meer und einem köstlichen Aperitivo auf der Zunge, kann der Tag kaum ausklingen.

Kaum ein Drink eignet sich hierfür besser als der Garibaldi, dem Cocktail, der nach einem der „Väter“ Italiens benannt wurde. Mit dem Drink, der in Novara entstand, will man die Vereinigung von Nord- und Süditalien im 19. Jahrhundert feiern. Für den Garibaldi werden Campari aus dem Norden und Orangen aus dem Süden verwendet. Er ist nicht nur ein symbolischer, sondern bei Italienern auch ein sehr beliebter Cocktail. Salute!

Brautpaar bei einer Hochzeit
Foto: Jelena Moro
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